Why is it so quiet on Sunday?
In Deutschland ist der Sonntag ein Tag der Ruhe. Die meisten Geschäfte bleiben geschlossen, und man macht keinen Lärm. Ich habe das an meinem ersten Sonntag in Leipzig gemerkt. Ich wohnte erst seit einer Woche in meiner neuen Wohnung im dritten Stock.
Überall standen noch Kartons, und auf dem Boden lag der Staub vom Umzug. Bald sollte meine Arbeit als Pflegerin im Krankenhaus beginnen. Vorher wollte ich die Wohnung sauber machen. Dafür schien mir der Sonntag perfekt, denn ich hatte den ganzen Tag Zeit.
Um zehn Uhr holte ich also den Staubsauger aus dem Schrank. Nach ein paar Minuten klingelte es.
Vor der Tür stand eine ältere Dame mit kurzen grauen Haaren und einer Brille. „Guten Morgen, ich bin Frau Becker aus dem ersten Stock.
Könnten Sie den Staubsauger bitte ausmachen?“ „Oh, Entschuldigung, ich bin Sofia, die Neue aus dem dritten Stock. Ist er so laut, dass man ihn bei Ihnen hört?“ „Mich stört er nicht, ich höre sowieso nicht mehr so gut“, sagte sie trocken.
„Aber das ganze Haus hört ihn, und heute ist Sonntag.“ Sie nahm mich mit nach unten und zeigte auf die Hausordnung neben den Briefkästen. Darauf stand: „Ruhezeiten: Montag bis Samstag 13–15 Uhr und 22–6 Uhr. An Sonn- und Feiertagen gilt die Ruhezeit den ganzen Tag.“
„Die Ruhezeit gilt den ganzen Tag?“, fragte ich. „Ja, so steht es in der Hausordnung“, erklärte Frau Becker. „Der ruhige Sonntag hat hier eine lange Tradition. Und dass die Geschäfte sonntags geschlossen bleiben, steht sogar im Gesetz.“
Mir fiel ein, dass in meinem Flur eine Tüte mit leeren Flaschen stand. „Darf ich denn wenigstens die Flaschen zum Altglascontainer bringen?“ „Heute leider nicht, das macht auch Lärm“, sagte sie. „Am Sonntag darf man den Altglascontainer gar nicht benutzen.“
„Und wo bekomme ich heute Brot, wenn alles zu ist?“ „Bäckereien dürfen sonntags ein paar Stunden öffnen. Die an der Ecke hat bis elf Uhr auf.“ Auf dem Weg zur Bäckerei kam ich am Altglascontainer vorbei.
Auf dem Schild stand: „Einwurf werktags 7–13 Uhr und 15–20 Uhr.“ Es war Viertel vor elf, als ich in die Bäckerei kam. „Gerade noch geschafft“, sagte die Verkäuferin und lachte, „sonntags machen wir um elf zu.“ Ich kaufte vier Brötchen und brachte zwei davon zu Frau Becker.
Sie sah die Tüte eine Weile an, bevor sie etwas sagte. „Früher hat mein Mann jeden Sonntag die Brötchen geholt“, sagte sie leise. „Danke. Kommen Sie doch heute Nachmittag auf einen Kaffee zu mir.“
Den Staubsauger habe ich an diesem Tag nicht mehr benutzt. An meinem Kühlschrank hängt seitdem ein Zettel, wie meine eigene kleine Hausordnung. Darauf steht: „Am Sonntag macht man keinen Lärm.“