Why 200,000 Berliners Came to Hear Obama
Rund 200.000 Menschen kamen zu einem amerikanischen Senator nach Berlin, obwohl er noch gar nicht Präsident war. Barack Obama trat damals als demokratischer Präsidentschaftskandidat auf; die Größenordnung der Menschenmenge beruhte auf einer Schätzung der Berliner Polizei. Am 24. Juli 2008 versammelten sich die Menschen für seine Rede an der Siegessäule im Berliner Tiergarten. Der Berliner Auftritt gehörte zu einer Auslandsreise, mit der Obama seine außenpolitische Kompetenz unter Beweis stellen wollte.
Entscheidend für den Andrang war jedoch seine außergewöhnliche Beliebtheit in Deutschland, verbunden mit der Hoffnung auf außenpolitischen Wandel.
Viele hofften, er werde die unter George W. Bush belasteten deutsch-amerikanischen Beziehungen verbessern. Wie groß dieses Vertrauen war, belegte eine im Juni 2008 veröffentlichte Umfrage des Pew Research Center. Mehr als 80 Prozent der in Deutschland Befragten äußerten darin Vertrauen in Obama.
John McCain hingegen genoss nur bei ungefähr einem Drittel der Befragten entsprechendes Vertrauen. Die historische Darstellung bei German History in Documents and Images nennt außerdem einen damaligen Vergleich der Kandidaten. Demnach hielten in damaligen Umfragen 75 Prozent der Deutschen Obama für den besseren Kandidaten als McCain. Trotzdem verlief die Vorbereitung des Berliner Auftritts nicht ohne politische Spannungen um den gewünschten Veranstaltungsort.
Obamas Wahlkampfteam wollte ihn ursprünglich vor dem symbolträchtigen Brandenburger Tor sprechen lassen, doch Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte ab. Laut der historischen Darstellung berücksichtigte Merkel offenbar mögliche Auswirkungen auf ihr Verhältnis zum damaligen Präsidenten George W. Bush. Anstelle des gewünschten Brandenburger Tors wurde deshalb die Siegessäule zum Schauplatz des Auftritts. Andererseits bestand das Programm nicht ausschließlich aus Politik: Auch die in Deutschland beheimatete Rockband Reamonn trat auf.
Zum musikalischen Programm gehörte außerdem ein Auftritt des Reggaekünstlers Patrice. Welche persönlichen Beweggründe sämtliche Anwesenden hatten, lässt sich deshalb nicht mit Sicherheit feststellen. In seiner Rede an der Siegessäule rief Obama zu erneuerter Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa auf. Die Versammlung blieb ein einmaliger Wahlkampfauftritt und war keine regelmäßig wiederkehrende Berliner Zeremonie.