How a Quantum Chemist Became Germany's Chancellor
Im Wahlkampf 1990 fragte Helmut Kohl Angela Merkel, wie sie mit Frauen zurechtkomme. Die spätere erste Bundeskanzlerin hatte als Physikerin überwiegend mit Männern gearbeitet; ihr Forschungsgebiet war die Quantenchemie. Von 1973 bis 1978 studierte Merkel zunächst Physik an der Universität Leipzig, bevor sie nach Ostberlin ging. Dort arbeitete sie anschließend am Zentralinstitut für Physikalische Chemie und promovierte im Jahr 1986.
Ihre Dissertation behandelte die Berechnung von Reaktionsgeschwindigkeitskonstanten bei Reaktionen einfacher Kohlenwasserstoffe, nicht etwa Fragen der politischen Macht.
Der Mauerfall hingegen eröffnete ihr den Weg aus der Forschung in die Politik: 1989 trat sie dem Demokratischen Aufbruch bei. Während das kommunistische Regime der DDR zusammenbrach, schloss sie sich damit einer neuen demokratischen Bewegung an. Im Februar 1990 wurde Merkel Pressesprecherin des Demokratischen Aufbruchs und übernahm damit eine öffentliche politische Aufgabe.
Nach der ersten und einzigen freien DDR-Parlamentswahl im März wurde sie stellvertretende Regierungssprecherin. 1990 ging der Demokratische Aufbruch in der ostdeutschen CDU auf, die sich anschließend der westdeutschen CDU anschloss. Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl im Dezember gewann Merkel ein Mandat; im Januar 1991 ernannte Kohl sie zur Frauen- und Jugendministerin. 1994 ernannte Kohl sie zur Umweltministerin, wobei dieses Amt ihrem wissenschaftlichen Hintergrund entgegenkam.
Nach der Niederlage der CDU bei der Bundestagswahl 1998 wurde Merkel Generalsekretärin ihrer Partei. 1999 stürzte jedoch ein Finanzskandal um geheime Konten und Spenden die CDU in eine Krise. Merkel kritisierte ihren früheren Förderer Kohl öffentlich und forderte, dass die Partei sich von ihm lösen müsse. Nachdem Wolfgang Schäuble im Zuge des Skandals zurückgetreten war, wurde sie am 10. April 2000 zur Parteivorsitzenden gewählt.
Kohls anfängliche Förderung und später der Finanzskandal hatten ihren Aufstieg innerhalb der CDU somit begünstigt. Nach der Bundestagswahl 2005 entstand eine Regierungskoalition zwischen CDU/CSU und SPD, die den Rahmen ihrer Kanzlerschaft bildete. Am 22. November 2005 wählte der Bundestag Merkel zur ersten Frau und ersten Ostdeutschen im Kanzleramt. Sie regierte Deutschland vier Amtszeiten lang, insgesamt 16 Jahre, bis ihre Kanzlerschaft im Dezember 2021 endete.