What Happens to a New Word While You Sleep?
Versuchspersonen lernten erfundene Wörter, doch nach dem Schlaf konnte ausgerechnet das Erkennen eines vertrauten Wortes langsamer werden. Hinter diesem überraschenden Ergebnis steckt keine nächtliche Wortschöpfung, sondern die Verarbeitung von Wörtern, die zuvor gelernt wurden. 2010 untersuchten Jakke Tamminen und seine Kollegen diesen Vorgang mit erfundenen Wörtern, die Versuchspersonen in gesprochener Form lernten. Das Forschungsteam überwachte ihren Schlaf und testete die Versuchspersonen am nächsten Morgen erneut.
Schlaf unterstützt die sogenannte Gedächtniskonsolidierung: Er stabilisiert bereits Gelerntes und kann es mit vorhandenem Sprachwissen verknüpfen.
Dadurch lässt sich eine neue Erinnerung nach dem Lernen möglicherweise leichter abrufen oder wiedererkennen. Die Vorgeschichte reicht ins Jahr 2003 zurück, als Gareth Gaskell und Nicolas Dumay an der Universität York forschten. Sie untersuchten, wie neu gelernte gesprochene Wörter das Wiedererkennen bereits vertrauter Wörter beeinflussten.
In einem Experiment von 2007 beeinflussten um 20:00 Uhr gelernte Wörter nach zwölf Stunden das Erkennen ähnlicher vertrauter Wörter. Dieser Zeitraum enthielt Schlaf; morgens um 08:00 Uhr gelernte Wörter zeigten den Effekt hingegen erst nach einem längeren Zeitraum. Auch dieser längere Zeitraum umfasste Schlaf, sodass beide Lernzeiten schließlich einen Vergleich nach Schlaf ermöglichten. Bei Tamminens Untersuchung richtete sich der Blick auf Schlafspindeln, also kurze Ausbrüche von Gehirnaktivität während des Schlafs.
Ihre Aktivität hing damit zusammen, wie stark sich die neuen Wörter in das vorhandene Wortwissen integrierten. Mit Verbesserungen beim einfachen Abrufen bestand andererseits kein solcher Zusammenhang; Einbindung und Erinnerungsleistung waren hier also unterschiedliche Ergebnisse. Eine separate Studie untersuchte 45 Erwachsene, die seltene englische Wörter zusammen mit ihren Definitionen lernten. Nach einer Nacht mit Schlaf schnitten sie besser ab als Personen nach einer ähnlich langen Wachphase.
Eine Übersicht von 2021 über 25 Studien mit 1.396 Erwachsenen bestätigte insgesamt einen Schlafvorteil, allerdings mit Unterschieden zwischen Gedächtnistests. Im Alltag beginnt dieser Vorgang trotzdem im Wachzustand, wenn jemand einem Wort begegnet und es übt. Ein konkretes Beispiel aus dieser Forschung ist das erfundene Wort „cathedruke“, das dem bekannten englischen Wort „cathedral“ ähnelt. Nach der Konsolidierung konnte „cathedruke“ dessen Wiedererkennen bremsen: Das neue Wort trat nun mit dem vertrauten in Konkurrenz.