The First Lantern Walk
Mittwoch, 11. November. Beim Frühstück singt Deniz schon wieder: „Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.“
Deniz ist vier, und heute Abend ist sein erster Laternenumzug. Ich kenne nur den Anfang vom Lied. Der Text steht in einem Brief von der Kita. Den Brief habe ich letzte Woche bekommen.
„Liebe Eltern, am 11. November ist unser Laternenumzug. Wir treffen uns um 17 Uhr vor der Kita. Wir singen zusammen. Das Lied steht unten.“
In der Türkei hat meine Mutter viele Lieder für mich gesungen. Ich kenne sie alle noch. Aber die Lieder von meinem Sohn kenne ich nicht. Das macht mich ein bisschen traurig.
Also nehme ich den Brief mit zur Arbeit. In der Straßenbahn lese ich das Lied. In der Mittagspause singe ich es leise. Meine Kollegin lacht: „Laternenumzug? Zieh dich warm an, Elif!“
Um fünf ist es schon dunkel und kalt. Vor der Kita stehen viele Eltern und Kinder. Deniz hat eine rote Laterne. Er hat sie in der Kita gebastelt.
Dann laufen wir durch die Straßen. Die Kinder singen laut. Ich bin nervös und singe nicht mit.
Neben mir geht eine Mutter mit einem Baby. Sie singt auch nicht. „Ich kenne nur den Anfang“, sagt sie. „Ich auch“, sage ich. „So etwas kenne ich aus der Türkei nicht.“
„Ich bin aus Dresden“, sagt sie. „Ich habe das Lied als Kind gesungen. Aber das ist lange her.“
Und immer wieder singen alle: „Rabimmel, rabammel, rabumm.“ Das kann ich! Ich singe ganz laut mit. Deniz sieht mich an: „Mama, du singst ja!“
Zu Hause fragt Deniz im Bett: „Gehen wir nächstes Jahr wieder?“
„Natürlich“, sage ich. „Und dann kenne ich das ganze Lied.“
Er schläft schon fast. Ich mache das Licht aus und sage leise: „Nächstes Jahr singe ich mit.“